Umbau eines Aquariums zum Aquaterrarium für Moschusschildkröten

Klick aufs Bild vergrößert und verkleinert

Das Becken wurde mit CAD in 3D geplant. Dann habe ich alle Scheiben 1:1 als Schnittmuster ausgedruckt. Das Zuschneiden und Einkleben hat über eine Woche gedauert.

Verwendet wurde ein normales Aquarium LBH 120x40x50. Die oberen Stabilisierungsscheiben wurden entfernt. Die Kräfte werden über eine Scheibe des Filters aufgefangen. Ob dies auf Dauer ausreicht wird die Zukunft zeigen.

Glas werden Schildkröten wohl nie verstehen. Deshalb habe ich 25kg Basaltbrocken als für die Schildkröten sichere Begrenzung mit Silikon an die Rück- und Seitenwände geklebt.

Das Becken ist 2-geteilt. Unterteilt wird das Becken durch den Filter. Vorne am Boden gibt es einen Durchgang der beide Teile verbindet. Er kann zum Trennen der Tiere mit einem Stein verschlossen werden. Der Filter saugt im linken Teil an und rechts fließt das Wasser wieder zu.

Pumpen im Becken sind sehr laut. Um den Tieren unnötigen Lärm zu ersparen sitzt die Pumpe (Eheim 104621) außerhalb. Aus der Pumpe fließt der größte Teil des Wassers wieder ins Becken zurück. Ein kleiner Teil läuft durch die U-förmig am oberen Rand eingeklebte Rinnen. Diese sind mit Seramis gefüllt und bepflanzt. Ich erhoffe dadurch eine Reduktion der Nitrate zu erreichen. Das Zeug ist allerdings vorgedüngt. Der Dünger muss zuerst raus und ich hatte nicht genug davon gewässert. Nun fehlt in der Mitte noch etwas.

Da ich nicht weiß ob der Wasseraustausch zwischen links und rechts für eine gleichmäßige Temperatur ausreicht habe ich beide Teile getrennt beheizt: 100W im großen und 50W im kleinen Teil. Ich verwende Heizer von Tronic. Sie sind sehr kurz und dürfen ganz untergetaucht werden. Für diese Heizer gibt es Schutzmäntel die den Heizstab vor den Schildkröten und die Schildkröten vor Verbrennungen schützt.

Da Moschusschildkröten gerne im Flachwasser liegen sind 5-10 cm unterhalb des Wasserspiegels Balkone eingeklebt. Dadurch wird das Becken auch sehr stark strukturiert und die Tiere können sich zurückziehen. Außerdem erhöht sich die bewohnbare Fläche nicht unerheblich. Diese Balkone sind die beliebtesten Stellen der Tiere beim Nichtstun. Die größte Schildkröte hat sich den kleinsten Balkon ausgesucht. Streitigkeiten um den besten Platz gab es bisher nicht.

Ca. 80% des Bodens und alle Balkone sind mit Rheinsand bedeckt. Die Tiere graben sich kleine Kuhlen in denen sie sich in den Sand kuscheln (vermenschlicht, aber so sieht es einfach aus). In den Abtrennungen in den Ecken ist Lava. Darin versinken mit der Zeit alle Abfallstoffe und Essensreste und werden abgebaut. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit diesem System hoffe ich frühestens nächsten Sommer die erste Reinigung durchführen zu müssen.

Das Becken ist, wie es Moschusschildkröten lieben, dicht bepflanzt. Manchmal muss man schon heftig suchen um die Tiere zu finden. Des Weiteren leben einige Antennenwelse, viele Guppies und ein paar Salmler zur Bekämpfung der Guppies darin.

Im größeren Teil, für die zwei Weibchen, ist ein Landteil mit ca. 8l Fassungsvermögen. Im kleinen Teil gib es nur einen Landteil der etwas größer als die Schildkröten und ganz flach ist.

Beleuchtet wird mit zwei CDM-R 35W/830 PAR20L30DG. Dadurch ergeben sich helle und schattige Bereiche im Becken. Als Wärmestrahler fürs Landteil kommt ein 35W Niedervolt Halogenspot mit Warmlichtspiegel zum Einsatz.


Zur Herstellung habe ich hauptsächlich mit folgenden Werkzeugen gearbeitet (8):

Glasschneider: mit einem Hartmetallröllchen. Die billigen 6-fachen Schneider mit gehärteten Stahlröllchen taugen nichts.

Kröselzange: aus dem Bedarf für den Tiffany-Glasbilder-Bau. Mit ihr kann man das Glas so zurechtbröseln wie man es braucht.

Schmirgelleinen: zum Glaskantenbrechen. Hier habe ich die Bänder von meinem defekten Bandschleifer verwendet. Körnung 120. Vor Gebrauch nass machen und ein paar Mal über die Kannten ziehen. Wenn ich mich nicht mehr schneiden kann, können es die Schildkröten auch nicht mehr.

Acetone: das einzige was saubere Scheiben richtig fettfrei macht. Kein Spiritus, Alkohol, Nagellackentferner oder sonst was benutzen. Nach der Reinigung mit Acetone die Klebeflächen nicht mehr berühren sonst können Algen das Silikon unterwandern.

Silikon: am einfachsten geht es mit dem abgebildeten. Man drückt nur auf den Hebel und das Silikon kommt von alleine raus. So kann man sich voll auf das Kleben konzentrieren und muss nicht noch nebenbei quetschen, schieben oder drücken. Für große Becken ist das nicht geeignet, aber da ich nur in ein vorhandenes Aquarium Scheiben eingeklebt habe ist es ausreichend. Für das Becken habe ich fast 2 Kartuschen verbraucht. Die Farbe des Silicons ist übrigens egal. Schwarzes Silikon soll das Unterwandern mit Algen verhindern. Aber die Algen wachsen zwischen Silikon und Glas. Solange aber das Glas lichtdurchlässig ist können bei mangelhafter Reinigung der Klebestelle immer Algen wachsen. Ich verwende transparentes Silikon, da sieht man den Pfusch nicht so.

Fugi - Fugenset: Damit lassen sich sehr schöne Fugen herstellen. Überschüssiges Material lässt sich damit fast komplett entfernen. Wichtig ist dass KEIN Spüliwasser verwendet wird. Da der Bau mehrere Tage in Anspruch nimmt müsste man ansonsten nach jedem Einsatz von Spüliwasser das Becken von Spüliresten reinigen. Fugi habe ich bei mir im Baumarkt gefunden. Auf der Beschreibung steht leider kein Hersteller.

Rasierklingen: zum Entfernen der ausgehärteten Silikonrückständen. Die Normalen für die Flächen, die von Tetra für die Ecken. Schaber für Cerankochfelder sollen auch gehen. Es ist viel Arbeit, aber es lohnt sich. Die Klingen müssen häufig ausgetauscht werden da sie sehr schnell stumpf werden. Ein Päckchen reicht pro Becken.

Küchentücher, Klopapier (sind kleinere Blätter und man kann sie deshalb öfter wechseln), Anschlagwinkel und Schiene zum Glasschneiden, Teppichbodenmesser für grobe Silikonreste, Kreppband zum Fixieren der Scheiben beim Einkleben, fertig konfektioniertes Heftpflaster,

Glas verwende ich wenn möglich nur gebrauchtes. Z.B. von meinem Schreiner, vom Sperrmüll und früher vom Wertstoffhof. Die Glasstärke liegt in der Regel bei 5-6mm. Ich setze aber auch an höher belasteten Stellen 8mm bzw. an unbelasteten Stellen, wie die Vorderkanten der Balkone, 4mm Glas ein.

Das Glas schneide ich auf einer kunststoffbeschichteten Pressspanplatte. Große Scheiben schneide ich auf dem Teppichboden. Danach sollte man aber Staubsaugen.

Zum Schluss muss ich noch anmerken, dass es sich nur um eine Beschreibung handelt wie ich es gemacht habe. Wenn jemand das Becken nachbauen sollte oder nach diesen Tipps eines baut, ist dies nur im privaten, nichtkommerziellen Bereich zulässig und es geschieht auf eigenes Risiko und in eigener Verantwortung.

Startseite